Sunday, May 14, 2006

Unvereinbar

Es gab mal eine Zeit, da war ich stolzer und entspannter Besitzer eines Autos. Stolz, weil es mein erstes und vorerst letztes eigenes Auto war und entspannt, weil ich durch diese Errungenschaft in die Lage versetzt wurde den öffentlichen Verkehrsmitteln den Rücken zu kehren und gleichzeitig morgens vor der Schule 15,3 Minuten länger schlafen konnte. Das eindeutig Beste an meinem fahrbaren Untersatz war aber, dass ich mir nicht mehr die dummen Sprüche der Generation antun musste, die die Rentensysteme dieses Landes in der Ruin treibt. Sätze wie „Hömma alz iech in dem Alta wa, musste iech immer mit de Kohlenkarrre von Stiepel nach Castrop, dat wa nen Kreuz und die Jugend von heute steht nich ma für einen auf. Dat hättes bei uns nich gegeben.“ Und das alles aus dem Mund eines Rentners, der den Rest des Tages nichts mehr zu tun hat und auch einfach mit einem Bus später die „Hilde“ im Krankenhaus oder am Grab besuchen könnte. Wie auch immer, die fetten Jahre sind vorbei und aus dem Auto wurde ein Fahrrad und aus der Schule die Uni. So ist es mir weiterhin möglich (gutes Wetter vorausgesetzt) meine fünfzehn Minuten länger zu schlafen, also statt um 11:00 um 11:15 aufzustehen. Die Generation 60+ scheine ich aber, nicht zuletzt auf Grund meiner Studienwahl (Philosophie), nicht loszuwerden. Nun lauert sie nicht mehr in den Gefährten des VRR, sondern wartet gerissen in den Seminarräumen der Uni auf seine Opfer, in diesem Fall auf mich. Diese Räume zeigen bis fünf Minuten vor Seminaranfang ein Bild des Grauens, bei dem ein Bestattungsunternehmer den ganzen schweren Inhalt seiner Innentasche an Visitenkarten an baldige Kunden verteilen könnte. Eine Gruppe von, -na das hatten wir ja bereits-, okkupiert mit einem Altersdurchschnitt von ca. 65 sämtliche Stühle, wie auch die dazugehörigen Tische, bis auf einen, der ist für den neu gefundenen Gauleiter, nämlich den Dozenten reserviert. Dem gemeinen Studenten, der ganz nebenher mit dem Erlernten einmal die Beiträge für die eben erwähnte Rentenkasse zahlen muss, bleibt nichts anderes übrig, als sich unter bösen Blicken der dort Anwesenden, einen Stuhl in einem anderen Raum zu klauen und sich hinten in die letzte Ecke zu quetschen ... seine Knie als Tisch benutzend.
--- Einziger Vorteil dieses kurzen Ausflugs: Man hat so die Möglichkeit dem noch aus Zivizeiten wohl bekannten Geruch/Gestank zu entkommen, wie ihn nur alte oder kranke Menschen ausdünsten. Auch wer denkt, der einsetzende Heuschnupfen zu Beginn des Sommers würde die Nase sozusagen auf natürlichem Wege schützen hat weit gefehlt, denn mit der Sonne und den Pollen kommt auch die Hitze und die ist der Entstehung dieser Gerüche leider nicht abträglich.---
Dies alles geschieht natürlich nicht unbeobachtet, wobei ein Paar der fleißigen Ortsgruppenleiter immer auf den Erhalt des, sowieso das ganze Seminar über unbenutzten, Stuhls des Dozenten lauern. Kämpfen ist zwecklos, diese Ü60er haben das Recht ihre wenige verbliebene Zeit an den Unis dieses Landes zu verbringen, uns als „junge Lümmel“ zu beschimpfen und uns auch sonst auf jede erdenkliche Weise auf die Nerven zu fallen. So kann mal nur auf die Dozenten hoffen, sie mögen ihre Seminare nur für die öffnen, die sie wirklich brauchen, die Studenten...

1 comment:

Nick said...

Ganz richtig! Kampf den Mumien! Ich habe nicht 9 Monate im Dreck gelegen umd jetzt mit alten Leuten so "engen" Kontakt zu haben! Für aktive "Exmatikulation"!